Der Preis der Gemeinschaft

Sonntag, 31. Mai 2026, Dreifaltigkeitssonntag (Hochfest), Lesejahr A

Erste Lesung: Ex 34,4b-6.8-9
Zweite Lesung: 2 Kor 13,11-13
Evangelium: Joh 3,16-18

Vollständiger Text auf Schott (Erzabtei Beuron): https://schott.erzabtei-beuron.de/herrenfeste/DreifaltigkeitA.htm?datum=2026-05-31&r=1


Es ist seltsam, wie wir mit unseren Handys umgehen. Das Telefon klingelt, und wir lassen es klingeln. Wir nehmen uns vor, später eine Nachricht zu schreiben. Wir haben gelernt, Begegnung nur dann zuzulassen, wenn wir sie kontrollieren können. Ein unangekündigter Anruf fühlt sich wie ein Eindringen an. Vielleicht kennen Sie das Gefühl: Das Display leuchtet auf, und Sie denken: „Das kann ich jetzt wirklich nicht.“ Früher haben wir den Anruf einfach angenommen, ohne nachzudenken. Heute löst ein Name auf dem Display manchmal leise Angst aus, weil wir fürchten, was ein Gespräch zutage fördern könnte.

Ehrlich gesagt geht es gar nicht um Handys. Wir haben einfach Angst. Wir fürchten lange Gespräche. Wir fürchten, jemandem erneut zu verzeihen. Wir fürchten Menschen, die etwas von uns brauchen, was wir nicht mehr zu geben haben. Wir denken: „Wenn ich anrufe, gibt es nur Drama“, oder: „Wenn ich einmal Ja sage, werden sie es immer erwarten.“ Wir nennen das gesunde Grenzen. Oft ist es nur ein trauriger Rückzug aus der unbequemen Wirklichkeit des Liebens.

Denken Sie an Mose, wie er zum zweiten Mal den Berg hinaufsteigt. Einmal war er schon hinaufgestiegen, nur um sein Volk verloren wiederzufinden, tanzend um ein goldenes Kalb. Mit neuen Steintafeln steigt er erneut hinauf. Der HERR tritt zu ihm und nennt seinen Namen: Barmherzigkeit. Mose bittet um etwas Außergewöhnliches. Er bittet Gott, in ihrer Mitte mitzugehen. Mose verspricht Gott niemals ein vollkommenes Volk. Er lädt Gott offen ein in eine Gemeinschaft halsstarriger, eigensinniger Menschen. Er weiß ganz genau, dass es kein Spaziergang sein wird, für diese Menschen verfügbar zu sein. Und doch sagt Gott Ja. Dieses Ja hat seinen Preis. Bei zerbrochenen Menschen zu bleiben heißt missverstanden zu werden, für selbstverständlich gehalten und beschuldigt zu werden. Viele von Ihnen zahlen genau diesen Preis. Manche von Ihnen sind der Mose in ihrer Familie. Sie steigen diesen Berg immer wieder hinauf. Sie verzeihen dem strauchelnden Kind, halten eine einseitige Ehe am Leben oder gehen Tag für Tag zu einer Arbeit, an der niemand dankt.

Es gibt die Geschichte eines Vaters, dem zwei Söhne das Herz brachen. Der Jüngere verschwendete sein Erbe in einem fernen Land. Am Tiefpunkt angekommen, machte er sich auf den Weg nach Hause. Sein Vater erblickte ihn schon von Weitem und lief ihm entgegen. An jenem Abend hörte der ältere Sohn das Fest und weigerte sich hineinzugehen. Der Vater ging ein zweites Mal hinaus. Wir nennen dies das Gleichnis vom verlorenen Sohn. In Wirklichkeit aber ist es das Gleichnis vom Vater, der zweimal hinausging. Ja, der immer wieder hinausgeht.

Das ist das wahre Herz Gottes. Das ist die schöne Wirklichkeit der Dreifaltigkeit. Gott ist nicht ein ferner Verwalter, der das Universum aus sicherer Entfernung lenkt. Er ist in seinem innersten Wesen ein endloses Ausströmen von Liebe. Das hören wir so deutlich in den vertrauten Worten von Joh 3,16. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab. Bereitwillig vertraute er die Gemeinschaft seines Sohnes zutiefst fehlerhaften Menschen an. Er wartete nicht, bis die Welt sich erst zurechtgemacht hätte. Er bestand nicht auf einem besseren Jahrhundert, einer freundlicheren Stadt oder einer vollkommenen Familie. Er trat mitten hinein in eine Menge von Verrätern, Zweiflern und Menschen, die einfach nur müde waren. Er begegnete uns in unserer schlimmsten Verfassung. Und er entschied sich zu bleiben. Hätte Gott darauf gewartet, dass wir seine Gemeinschaft irgendwie verdienen, dann würde er heute noch warten.

Das führt uns zu einer schwierigen Frage. Auf wen warten wir gerade? Gibt es einen Verwandten, der sich erst ändern muss, bevor wir ihn anrufen? Gibt es einen Freund, von dem wir eine Entschuldigung erwarten, bevor wir bereit sind anzurufen? Wie oft machen wir unsere Gegenwart von Bedingungen abhängig. Wir enthalten anderen unsere Gemeinschaft so lange vor, bis sie zu einer Version ihrer selbst werden, die uns annehmbar erscheint. Gott hat das nie mit uns getan. Er kam uns nahe, als wir noch eigensinnig und halsstarrig waren. Und durch seine Gnade bleibt er auch heute in unserer Mitte.

Diese Woche lade ich Sie ein, eine einzige Sache zu wagen. Denken Sie an einen Menschen in Ihrem Leben, den Sie auf sicherer, bequemer Distanz gehalten haben. Vielleicht ist es ein Jugendlicher, den Sie ständig korrigieren, ein Ehepartner, mit dem Sie nur noch Termine teilen statt Ihr Herz, oder ein Kollege, der immer ein wenig einsam wirkt. Versuchen Sie bis nächsten Sonntag, sich diesem Menschen behutsam zuzuwenden. Tun Sie einen einzigen kleinen Schritt. Ein kurzer Anruf. Laden Sie ihn auf eine einfache Tasse Tee ein. Schreiben Sie eine Nachricht und fragen Sie, wie es wirklich geht. Greifen Sie einfach zum Telefon. Seien Sie einfach da. Warten Sie nicht, bis es leichter wird, diesen Menschen zu lieben. Seien Sie derjenige, der den ersten Schritt wagt. Wenn Sie das tun, spiegeln Sie genau jenen Gott wider, der immer wieder hinausgeht zu den Menschen, die er liebt. Heute fragt er Sie schlicht: Wären Sie bereit, zu einem anderen Menschen hinauszugehen?

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen.