Sonntag, 28. Juni 2026 — 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A
Erste Lesung: 2 Kön 4,8-11.14-16a
Zweite Lesung: Röm 6,3-4.8-11
Evangelium: Mt 10,37-42
Vollständiger Text beim Bibelwerk: https://www.bibelwerk.de/verein/was-wir-bieten/sonntagslesungen/6-sonntagslesungen
Was ist das Gute, von dem Sie still entschieden haben, dass Gott es Ihnen niemals geben wird? Ich meine nicht die kleinen Enttäuschungen. Ich meine Ihren tiefsten Wunsch. Es ist das, worum Sie einmal mit ganzem Herzen gebetet haben, das Sie nun aber wie eine geschlossene Tür weggelegt haben. Sie spüren, dass es sich nicht mehr lohnt, darum zu bitten. Die meisten von uns tragen einen solchen Schmerz. Und die meisten von uns haben aufgehört, ihn beim Namen zu nennen, sogar vor Gott.
Vor langer Zeit lebte eine Frau wie diese in einer Stadt namens Schunem. Sie führte ein behagliches Leben. Sie hatte ein Haus, einen Mann und Freunde. Als ein heiliger Mann oft durch ihre Stadt zog, richtete sie ihm ein kleines Zimmer auf dem Dach her. Sie stellte ihm ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter hinein (2 Kön 4,10). Sie verlangte nichts dafür. Als der Prophet ihr etwas vergelten wollte, sagte sie, sie brauche nichts (2 Kön 4,13).
Doch eines hatte sie nicht. Sie hatte kein Kind. In ihrer Welt war das eine sehr schwere Traurigkeit. Es bedeutete, dass keine Familie ihren Namen weitertragen würde. Gewiss hatte sie früher um einen Sohn gebetet. Doch als wir ihr begegnen, hatte sie damit aufgehört. Sie hatte ihre Hoffnung so tief verborgen, dass sie nicht jubelte, als der Prophet ihr einen Sohn für das nächste Jahr versprach. Sie trat erschrocken zurück. Mach mir nichts vor, sagte sie (2 Kön 4,16). Das ist nicht die Stimme einer Frau, die vergessen hat. Das ist die Stimme einer Frau, die spürte, dass erneutes Hoffen und erneutes Verletztwerden einfach zu viel kosten würde. Und doch griff Gott über ihre stille Traurigkeit hinaus, mitten hinein in das, worum sie aufgehört hatte zu bitten.
Die meisten von uns leben genau dort, wo sie lebte. Wir sind nicht in dem glücklichen Augenblick, in dem die Antwort kommt. Und wir sind nicht am Anfang, als wir noch glaubten, sie käme rasch. Wir leben in der langen Mitte. Das ist die schwere Zeit des Wartens zwischen dem Verlieren und dem endlichen Finden.
Denken Sie an einen Mann, der drei Tage lang zu einem Ort ging, den er nicht kannte. Er trug das Holz für das furchtbarste Opfer, das ein Vater sich vorstellen kann. Der Weg gab ihm keine Antworten. Er sah kein Zeichen, dass er nahe war. Er hörte keine Stimme, die ihm sagte, dass er recht hatte. Er machte nur den nächsten Schritt, und den nächsten. Er ging im dunklen Gefühl, nicht zu wissen, ob Gott vor dem Ende sprechen würde. Dieser Mann war Abraham, und der Junge an seiner Seite war sein Sohn (Gen 22). Sein einziger Trost war ein stiller Satz, den er immer wieder sagte. Er sagte, Gott werde selbst dafür sorgen (Gen 22,8). Er konnte das Tier nicht sehen, das sich im Gebüsch verbarg, um an die Stelle seines Sohnes zu treten. Er konnte den schönen Morgen nicht sehen, der auf ihn wartete. Er konnte nur weitergehen. Die Bibel erzählt uns, wie seine Reise begann und endete. Doch über jene drei stillen Tage dazwischen sagt sie fast nichts, denn wir alle gehen durch dieselben schweren Tage des Wartens.
Mitten auf unserem langen Weg gibt Jesus uns eine seltsame Verheißung. Er sagt, dass jeder, der sein Leben um Seinetwillen verliert, es finden wird (Mt 10,39). Dann sagt Er etwas noch Überraschenderes. Wer einem kleinen Kind auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, sagt Er, wird seinen Lohn niemals verlieren (Mt 10,42). Ein Becher frisches Wasser. Ein kleines Zimmer mit einem Leuchter. Das sind keine großen oder berühmten Taten. Es sind die kleinen, täglichen Taten des Glaubens, die einfache Menschen in ihrer langen Zeit des Wartens vollbringen. Es sind das freundliche Willkommen, der gedeckte Tisch und das Licht, das brennen bleibt, lange nachdem sie aufgehört haben, einen Lohn zu erwarten. Die Frau tat diese guten Dinge nicht, um ein Kind als Bezahlung zu bekommen. Sie hielt einfach das Zimmer bereit. Gottes Geschenk kam genau durch die Tür des schlichten Zimmers, das sie vorbereitet hatte.
Halten Sie also bitte Ihr Zimmer bereit. An den Tagen, an denen Ihr Glaube stark ist, und an den Tagen, an denen er es nicht ist, reichen Sie einfach weiter diesen schlichten Becher frisches Wasser. Und den einen tiefen Wunsch, um den Sie aufgehört haben zu bitten, den Sie als verschlossen weggelegt haben, bringen Sie ihn in dieser Woche zu Gott zurück. Selbst wenn Sie seinen Namen nur einmal im Dunkeln flüstern können, das genügt. Gott verlangt nicht von Ihnen, die Sonne an den Himmel zu ziehen. Er bittet Sie nur, ein wenig Öl in Ihrer Lampe zu bewahren. Das Morgenlicht zu bringen ist Seine Sache. Und wenn Sein heller Morgen kommt, wird er weit besser sein als alles, womit Sie sich je zufriedengegeben haben.